Daniel Wagner - Pionier des authentischen Rheinhessenweins

Daniel Wagner - Pionier des authentischen Rheinhessenweins


Daniel Wagner - Pionier des authentischen Rheinhessenweins

Daniel Wagner vom Weingut Wagner-Stempel in Siefersheim (Rheinhessen) glänzt seit Anfang des Jahrtausends mit einer ununterbrochenen Serie spannender Jahrgänge und toller Weine. Seine Weine haben etwas Elektrisierendes, Wachrüttelndes, sie bewegen und lassen niemanden unberührt.

Er selbst ist eher ein stiller Mensch, keiner, der sich in den Vordergrund spielt. Er wirkt freundlich und bescheiden, seine Weine dagegen fordern und polarisieren. Er liebt weder den Rummel, noch sonnt er sich gerne in der Öffentlichkeit. Den Ort, den er liebt, ist der Weinberg.

Wer mit dem jung gebliebenen Winzer zusammensitzt, ihm lauscht, wenn er über Wein, die Siefersheimer Porphyrböden und seine eigene Geschichte spricht, der erfährt so viel entspannte Gelassenheit, Humor und Lebensfreude, dass von dem Erfolg, den er und seine Weine Jahr für Jahr auf nationalem und internationalem Parkett erfahren, nichts zu spüren ist, rein gar nichts. Daniel Wagner ist gut geerdet und kennt seine Wurzeln - die Landwirtschaft.

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Vom landwirtschaftlichen Mischbetrieb zum Vorzeigeweingut

Daniels Eltern bewirtschafteten noch einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb. Ein bisschen Wein gab es schon, aber keine Flaschenabfüllungen, sondern bloß Grundweine für die Sektproduktion. Sektgrundweine deshalb, weil die Region um Siefersheim noch vor 30 Jahren als rheinhessisches Sibirien galt. Es war immer vergleichsweise kalt in dieser westlichsten Ecke des ansonsten viel wärmeren Anbaugebietes und die Trauben erreichten selten ihre volle Reife.

Der 1992er war Daniels erster Jahrgang. Zehn Jahre später hat er bereits den Deutschen Riesling-Preis in der Tasche. Daniel Wagner wurde berühmt und hat seither nie mehr genug Wein gehabt, um die Nachfrage zu befriedigen. Dennoch hat er bis heute keine Trauben zugekauft, alles kommt aus seinen eigenen Weinbergen - heute rund 26 Hektar.

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Mit Daniel Wagner im Defender durch die Siefersheimer Steillagen

Im Interview sagt er mir: „Das ist für mich die ideale Größe. So kann ich selbst noch maximal viel Zeit in Weinberg und Keller verbringen und muss mich nicht dauernd um den Verkauf und ums Marketing kümmern.“

Im Jahr 2004 wurde er Mitglied des VDP, zwei Jahre später wechselte er zum ökologischen Weinbau - nur konsequent für einen wie Daniel, der die Arbeit in den Weinbergen liebt.

Im Mai diesen Jahres habe ich ihn in Siefersheim besucht und es passierte, was passieren muss, wenn man jemanden besucht, der seine Weinberge über alles liebt. Noch bevor ich mein Podcast-Equipment aus dem Bulli holen kann, sitzt er am Steuer seines liebevoll aufbereiteten Defender und ruft mir mit einem verschmitzen Lächeln zu: "Auf geht's! Los, steig ein!"

Wagner Stempel Horn mit Winzeralm

Vom Horn - die schönste Weinsicht mit Winzeralm

Nachdem er mich zunächst mit seinen Ziegen bekannt gemacht hat, die demnächst die neuen Ausgleichsflächen sauber halten werden, dauert es nur ein paar Minuten und wir befinden uns inmitten seiner steilen Siefersheimer Weinberge. Erste Station: das Horn. Hier befinden sich Daniel's alte Silvaner-Anlagen. Es wimmelte nur so von Leben. Das Grün und die vielen Blumen, die die Flächen zwischen den Zeilen in eine lebendige Wiesenlandschaft verwandelt haben, locken allerlei Insekten an, heute vor allem die Bienen. Sie tanzen und summen, dass es nur so eine Freude ist - eben ökologischer Weinbau vom Feinsten.

Wagner Stempel Ziegen

Daniel Wagner liebäugelt mit der Biodynamie

Daniel liebt Tiere, vielleicht ein familiäres Vermächtnis. "Könnte sein", sagt er mir, "dass es bald mehr werden!" Er denkt an Rinder und auch an ein Pferd. "Das wäre dann der ideale Einstieg in die Biodynamie. Ohne Tiere würde das für mich keinen Sinn machen."

Wie machen noch einen kleinen Spaziergang durch die wunderschöne Heidelandschaft, dann gehts weiter zur Heerkretz. Das war bis in die Neunziger Jahre hinein ein vergessener, verwahrloster Steilhang im Südwesten des Ortes. Einige wenige Parzellen waren bestockt, aber der größte Teil dieser schroffen, windoffenen Hanglage mit seinen Felsmauern, Steinbrüchen und der Heidelandschaft lag brach. Von hier sehen wir die Windräder der Nordpfalz und den Bad Kreuznacher Stadtwald. Das Weinbaugebiet Nahe ist nahe.

Lagen 03 Heerkretz

Heerkretz - Riesling vom Feinsten

Daniel Wagner hat in diesem wilden Garten Jahr für Jahr neue Parzellen angelegt, die Trockenmauern hergerichtet und damit eine ganze Kulturlandschaft wieder lebendig werden lassen – das ist die reinste Schufterei, "aber auch die größte Freude, die man als Winzer haben kann", wie Daniel freudig und durchaus ein bisschen stolz gesteht.

Dann lenkt er seinen Defender nach links und ab geht's den steilen Hang hinab. Damit habe ich nicht gerechnet. Intuitiv suche ich nach einer Möglichkeit, mich irgendwo festzuhalten. Es geht spektakulär steil nach unten, aber weder Daniel noch sein Defender zeigen von der Steilheit beeindruckt. Das beruhigt mich und ich kann mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: Schließlich kommt aus dieser vom Porphyr und einer satten Lehmauflage geprägten Lage einer der originellsten Rieslinge ganz Rheinhessens.

Daniel Wagner Defender Heerkretz

Riesling Neu Bamberg und Fürfeld

Weiter gehts zu den rotliegenden Lagen bei Neu Bamberg, aus denen vielleicht Daniel's charmantester, generösester Riesling kommt. Nur einen verstohlenen Blick ist uns an diesem Tag Fürfeld mit seinen vom Melaphyr geprägten Weinbergslagen wert. Der Riesling von hier ist der puristischste, kühlste, kargste von allen und immer knochentrocken ausgebaut. So druckvoll würzig und pikant salzig ist kein anderer Riesling aus dem Hause Wagner-Stempel. Das bestätigt auch die anschließende Verkostung des gerade abgefüllten 2019er - die reinste Freakshow garniert mit einem diskreten Spontistinker.

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Siefersheimer Riesling vom Porphyr

Neben dem Fürfelder wirkte der Siefersheimer Riesling vom Pophyr fast schon ein bisschen brav, obwohl auch das absolut kein Kind von Traurigkeit ist. Der vom Porphyr 2019 ist ein zupackender Wein mit Biss und Zug, intensiver Mineralität und feinster Säure, sehr vital und herzerfrischend. Schier endlos stimuliert er den Gaumen, noch lange nachdem ich ihn geschluckt habe. Gelbfruchtige, dezent zitrische und kräuterwürzige Aromen sind erkennbar, haben aber für die Stilistik des Weines keinen prägenden Einfluss. Die Musik dieses spontanvergorenen Rieslings spielt am Gaumen, setzt ganz auf den Klang vom Porphyr, changiert im Eindruck, wirkt mal asketisch, streng und kühl, bald darauf feinfruchtig und generös - auf jeden Fall lässt er mich so schnell nicht wieder los.




Podcast-Episode mit Daniel Wagner im Interview

Wie es dazu kam, dass Daniel - zunächst entgegen den Rat seiner Eltern - zum Weinbau kam, wie mühsam die ersten Jahre für ihn waren und welche Initialzündung von der Gruppe "Message in a bottle" ausgingen - für ihn wie für ganz Rheinhessen - das und vieles mehr erfährst du im Interview, das ich im Mai 2020 mit Daniel Wagner in Siefersheim geführt habe.

Wer mit dem jung gebliebenen Winzer zusammensitzt, ihm lauscht, wenn er über Wein, die Siefersheimer Porphyrböden und seine eigene Geschichte spricht, der erfährt so viel entspannte Gelassenheit, Humor und Lebensfreude, dass von dem Tempo, mit dem seine Weine Jahr für Jahr auf nationalem und internationalem Parkett erfolgreich unterwegs sind, nichts zu spüren ist, rein gar nichts.

Wagner Stempel im Hof

GENUSS-IM-BUS-WEINPAKET

Für die Podcast-Hörer habe ich zusammen mit Daniel ein Paket mit drei spannenden Weinen zusammengestellt. Im Paket befinden sich die aktuellen Gutsweine: Riesling, Silvaner und Scheurebe.

Alles zusammen kostet 35 € inkl. Versand. Du kannst das Probierpaket unter Angabe des Kürzels „Genuss im Bus Paket“ unter der Email-Adresse info@wagner-stempel.de oder telefonisch unter 06703.960 330 bestellen. Hab viel Spaß damit!

Und nicht vergessen: Die nächste Episode von Genuss im Bus geht bereits in genau einer Woche, also am 26. Juni an den Start. Daniel und ich verkosten den Jahrgang 2019.

Ich freue mich, wenn du dann wieder dabei bist.

Bis dahin lass es dir schmecken.

Tschüss und auf Wiedersehen.


Wolfgang

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