Laura Seufert - Iphofen und der Silvaner haben neues Gesicht

Laura Seufert - Iphofen und der Silvaner haben neues Gesicht


Laura Seufert - Iphofen und der Silvaner haben neues Gesicht

Für die aktuelle Podcast-Episode von "Genuss im Bus" bin ich noch einmal ins Fränkische Iphofen gefahren und habe mich im Weingut Seufert mit der Juniorchefin des traditionsreichen Betriebs, mit Laura Seufert getroffen.

Laura Seufert ist zwar irgendwie immer noch eine Newcomerin, aber eine, die schon einen großen Erfolg eingefahren hat. Im Jahr 2017 konnte sie nämlich den von der Zeitschrift Vinum ausgelobten Titel "Deutscher Riesling Champion" ergattern.

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Weingut Seufert - ein echtes Silvaner-Weingut

Dabei ist Riesling bei ihr reine Nebensache. Mit einem Anteil von knapp 90% ist es ein ausgesprochenes Silvaner-Weingut. Und Silvaner - das kann Laura Seufert, obwohl sie doch erst seit 2018 so richtig mitmischt im elterlichen Betrieb. Egal ob Guts- oder Lagenwein, all das, was sie - zusammen mit ihrem Vater - in Flaschen füllt, wirkt ungemein klar und präzise, ist so wundervoll trinkanimierend, dass man es gedankenlos einfach nur so Wegzischen möchte.

Es sind Weine, die auf den ersten Blick ein Lächeln entlocken, ihre ganze Klasse zeigen sie jedoch erst auf den zweiten Blick und auch nur dem, der sich auf sie einlässt, sich mit ihnen beschäftigt. Es sind Weine, die ein bisschen Zeit benötigen, Zeit zum Reifen und Zeit für die Begegnung. Auf gewisse Weise sind diese Weine Laura sehr ähnlich.

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Auf meine Frage, welchen Typ Wein sie produzieren wolle, meint sie, dass die kargen Gipskeuperböden den Stil eigentlich vorgeben. Der Ertrag sei immer sehr niedrig und deshalb zeigten ihre Weine stets sehr viel Herkunftscharakter. Diesen Charakter unterstütze sie im Weinberg durch die ökologische Bewirtschaftung, im Keller durch Spontangärung und Verzicht auf alles, was den natürlichen Geschmack verändert. Ihre Weine charakterisiert sie als kräutrig und mineralisch, als Weine, die Zeit brauchen, Zeit für ihre Entwicklung und Zeit für die Begegnung. „Auf meine Weine muss man sich einlassen“, sagt sie.

Bevor Laura Seufert im elterlichen Betrieb so richtig losgelegt hat, ist sie weit in der Welt herumgekommen. 2007 hat sie ihre Ausbildung in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim begonnen, dann diverse Praktika gemacht, u.a. bei Peter Jakob Kühn und im Tessin. Dann hat sie die Technikerschule besucht, ebenfalls in Veitshöchheim. Während dieser Zeit war sie als Praktikantin in Südtirol bei Tiefenbrunner und beim Weingut am Stein in Würzburg. Dort hat sie auch anschließend drei Jahre gearbeitet, bevor sie dann in Geisenheim zu studieren begonnen hat.

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Auch während ihrer Zeit in Geisenheim hat sie sich in der Welt neue Inspirationen geholt. So war sie mehrmals unterwegs, etwa bei Andre Gsellmann im Burgenland und bei verschiedenen Betrieben in Neuseeland.

All das bringt sie heute in den elterlichen Betrieb ein, den sie seit 2018 zusammen mit ihrem Vater Jürgen leitet. Obwohl die Bühne und mittlerweile auch einiges an öffentlicher Aufmerksamkeit heute Laura gehört, so ist es letztlich doch ihr Vater gewesen, der vieles von dem, was das Weingut Seufert heute ausmacht, vorgedacht und in die Wege geleitet hat. Schwerer vielleicht noch wiegt der Umstand, dass Laura das Vertrauen ihres Vaters genießt und er ihr heute in vielen Dingen freie Hand lässt.

Mehr noch, er lässt sie nicht nur machen, sondern er zieht mit ihr an einem Strang. Mit viel Engagement unterstützt er ihre neuen Ideen und Projekte tatkräftig. Ohne Jürgen Seufert wären die großen Veränderungen nicht möglich gewesen. Kaltmazeration, Spontangärung bei höheren Temperaturen, reduzierter Schwefeleinsatz und lange Reifung auf der Vollhefe - das sind schon echte Meilensteine auf dem Weg zu einem anderen Weinstil, aber ganz sicher große Wagnisse aus der Sicht eines traditionellen fränkischen Winzers. Auch der gesamte Auftritt des Weinguts würde neu gestaltet. Erstmals sichtbar wurde das neue Corporate Design mit dem Jahrgang 2018. Neues Etikett und neuer Webauftritt - alles wirkt wie aus einem Guss.

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Silvaner Kalb - mein Lieblingswein von Laura Seufert

Mein persönlicher Lieblingswein der Seuferts ist der Silvaner aus der Renommierlage „Kalb“ - neben den Lagen Kronsberg und Julius-Echter-Berg ein echtes Schätzchen der Weinbaugemeine Iphofen. Für rund 10 Euro zaubert Laura Seufert da wirklich einen ziemlich genialen Wein in die Flasche.  Sein Duft ist tiefgründig, mit Anklängen an feine weiße und gelbe Früchte, zu denen sich florale Noten und eine deutliche Mineralik gesellen; am Gaumen präsentiert sich dieser Lagensilvaner nachhaltig und tief, mit tollem Grip und einem sehr guten, saftigen und mineralischem Abgang. Das ist unter Preisleistungsgesichtspunkten schwer zu übertreffen.

Weingut Seufert Silvaner Kalb

Paul Welter demnächt im Podcast von Genuss im Bus

Nächste Woche habe ich mit Paul Weltner einen Winzer am Mikrofon, der im vergangenen Jahrzehnt sehr viel für die Renaissance des Silvaners getan und geleistet hat. Viel früher als die meisten anderen Betriebe der Region hat er sich wieder auf die Kernkompetenzen des Silvaners besonnen, auf ihr großes Potenzial nämlich, Herkunft schmeckbar zu machen. Bemerkenswert, weil er in seinem Weingut diese Wende noch zu einer Zeit einleitete, als fruchtige Lautstärke allerorten den Ton angab.

Ich freue mich, wenn Du am 13. November wieder einschaltest, wenn die nächste Episode von Genuss im Bus mit dem Winzer Paul Weltner an den Start geht.

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Und solltest Du Lust verspüren, die Tage des erneuten Lock-Downs nicht gänzliche ohne spannende Weinverkostungen vorüberziehen zu lassen, dann schau dir mal meine Angebote an. Online Weinverkostungen oder eine Online-Weinparty im Freundeskreis bringen Dir ganz sicher jede Menge guter Laune und die ein oder andere spannende Neuentdeckung.

Hab eine gute Zeit und lass es Dir schmecken.

Wolfgang


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