Martin Fischer - Denker und Lenker des Sonnenhofs

Martin Fischer - Denker und Lenker des Sonnenhofs


Martin Fischer - Denker und Lenker des Sonnenhofs

Für die heutige Episode habe ich mich auf den Weg zum Sonnenhof in der Gemeinde Vaihingen-Gündelbach im Anbaugebiet Württemberg gemacht und dort den Weingutschef Martin Fischer getroffen. Weil sich die Weinbautradition der Familie Fischer bis ins Jahr 1522 zurückverfolgen lässt, parke ich den Bulli mit gebotenem Respekt auf dem Betriebsgelände.

Sonnenhof

Der Sonnenhof - Familienweingut mit 50 Hektar Rebland

Gleich zu Beginn erfahre ich, dass es sich beim Sonnenhof um ein echtes Familienweingut handelt - mit 50 Hektar Rebland das größte private in Württemberg. Heute hat hier Martin das Sagen, jetzt allein, nachdem er sich diese Rolle von 2008 bis 2019 mit seinem jüngeren Bruder Joachim teilte. Damals übernahmen die beiden Brüder den Sonnenhof von ihren Eltern, Martin wurde Betriebsleiter, Joachim der neue Kellermeister. 2019 haben die beiden sich getrennt, aber die Familientradition bleibt erhalten. Das letzte familiäre Geschäftsereignis vor 2008 war 1973, als die Familien Bezner und Fischer ihre Betriebe zum Sonnenhof zusammenlegten. Seitdem schlägt der Sonnenhof die Richtung eines nachhaltigen Weinbaus ein oder - wie Martin es zu formulieren pflegt - einen Kurs zwischen altem Handwerk und modernen Ideen.

Martin Fischer Sonnenhof mit Bibo

Walter Bibo ist neuer Kellermeister im Sonnenhof

Das Weingut Sonnenhof liegt im württembergischen Unterland im idyllischen Stromberggebiet, der Betrieb selbst ist in der Gemeinde Vaihingen-Gündelbach beheimatet, ganz grob im Zentrum eines Dreiecks Heilbronn-Ludwigsburg-Pforzheim, nicht weit vom weltberühmten Kloster Maulbronn entfernt. Etwa 50 Hektar Rebfläche, die mit dem Gündelbacher Wachtkopf gleich hinter dem Hof beginnt, werden aktuell bewirtschaftet. Seit 2019 ist mit Walter Bibo als Betriebsleiter ein neuer Mann im Boot. Er ist in der deutschen Weinszene kein unbeschriebenes Blatt, hat er doch Stationen als Kellermeister bei Joachim Heger in Ihringen am Kaiserstuhl und zehn Jahre lang als Direktor des Weingut Schloss Reinhartshausen in Eltville auf dem Buckel.

Martin Fischer Sonnenhof Weinberg

Zum Betrieb gehören fünf Einzellagen

  • Gündelbacher Wachtkopf
  • Häfnerhaslacher Heiligenberg
  • Kirchberg Hohenhaslach
  • Ochsenbacher Liebenberg
  • Spielberger Liebenberg

Bei diesen Lagen handelt es sich durchweg um steile Südhänge mit mehrschichtigen rötlich-warmen Keuperböden, hauptsächlich aus buntem Mergel und Schilfsandstein, Ablagerungen eines urzeitlichen Meeres. Das Mikroklima an den Edel-Lagen Gündelbacher Wachtkopf und Hohenhaslacher Kirchberg ist warm und trocken, mit einer langen, für die Reben günstigen Vegetationsperiode.

Martin Fischer Sonnenhof Quad

Martin Fischer setzt auf einen Rebsortenmix und Piwis

Bestockt ist die Rebfläche des Sonnenhofs landestypisch mit überwiegend roten Sorten (60 Prozent) und das in einer Sortenauswahl, die Martin in die Lage versetzt, bei allen relevanten Varietäten der Region mitzuspielen. Dennoch entfällt auf Riesling mit einem Anteil von knapp 20 Prozent die größte Rebfläche. Es folgen Lemberger mit 17,5 Prozent, Trollinger mit 16,5 Prozent und Spätburgunder mit etwas über 10 Prozent.

Es war für 2022 geplant, einen Weinberg mit Cabernet Blanc und Calardis Musqué zu bepflanzen. Die Auswahl der Sorten fand nach einer internen Vertikalprobe verschiedener PIWI-Sorten statt. Leider reicht derzeit das Angebot an ausreichendem Veredlungsmaterial nicht aus, um die deutlich gestiegene Nachfrage nach Pfropfreben zu befriedigen. Hier ist deshalb die Pflanzung auf 2023 verschoben worden.

Martin Fischer Sonnenhof Most

Große stilistische Bandbreite - von leicht und fruchtig bis konzentriert und tanninbetont

Durch die Bank entstehen im Sonnenhof klare, reine und sortentypische Weine. Leicht und trinkanimierend präsentiert sich der Riesling Kabinett, während Grauburgunder und Chardonnay stets mit sehr viel mehr Volumen und Holzunterstützung daherkommen. Mit großer Strahlkraft und toller Frische gefällt vor allem der Sauvignon Blanc. Die Roten präsentieren unisono hohem Niveau. Die Nase vorn hat meist der Syrah vom Wachtkopf, dicht gefolgt von Merlot und Spätburgunder. Walter Bibo hat mit den 2019er bei den Weiß- und den 2018er bei den Rotweinen geliefert und die Erwartungen an ihn als neuen Kellermeister sicher mehr als erfüllt. Deutlich gewachsen ist in den vergangenen Jahren das Rosésegment des Sonnenhofes.

An der Spitze stehen - wie eh und je - die HADES-Barrique-Weine. Hinter dem Namen HADES verbergen sich die Anfangsbuchstaben der sechs württembergischen Betriebe, die sich Mitte der 80er Jahre unter dem Motto „Große Weine aus kleinen Fässern“ dem Barrique-Ausbau verschrieben und zu einer Interessenvereinigung zusammengeschlossen haben: Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen, Weingut Graf Adelmann, Weingut Drautz-Able, Weingut Jürgen Ellwanger, Weingut Sonnenhof und Staatsweingut Weinsberg. Im Interview erörtere ich mit Martin Fischer die Frage, welche Bedeutung diese Vereinigung unter veränderten Vorzeichen heute noch hat.

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Nachhaltigkeit - ein Anspruch, der im Sonnenhof ohne Wenn und Aber umgesetzt wird

Die Nutzung von erneuerbaren Energien ist, wie Martin mir erklärt, für den Sonnenhof seit langem selbstverständlich. Seit 1994 betreiben sie eine der ersten Windkraftanlagen in Württemberg und gewinnen ihren Strombedarf aus Sonnenkraft über eine eigene Photovoltaikanlage. Mit dem Recycling von Verkaufsverpackungen möchten sie Ressourcen schonen und die Emission von Treibhausgasen vermeiden.

Sie sind zudem stolz darauf, auch in Sachen Windkraftanlage zu den ökologischen Pionieren in Württemberg zu gehören. Die Anlage steht auf der windexponierten Südseite des Weingutes und liefert trotz ihrer Lage im Tal eine entsprechende Leistung. Immerhin können 5 kW in das Stromnetz eingespeist werden. Und wenn man sich schon Sonnenhof nennt, soll darin auch eine Tugend zum Ausdruck kommen. Über den Betrieb der weingutseigenen Solaranlage kann seit 2011 mehr als 100 Prozent des laufenden Strombedarfs erzeugt werden.

Martin Fischer Sonnenhof Party

Podcast-Interview mit Martin Fischer

Wir sprechen unter anderem über die Herausforderungen der Pandemie für einen Betrieb wie den Sonnenhof, dessen Weine noch im Jahre 2019 zu 50 Prozent in der Gastronomie getrunken wurden. Auch die Folgen des Klimawandels sind Thema, vor allem die Frage, wie muss sich ein Weingut aufstellen, um nicht von Frühjahrsfrösten, Wassermangel, vermehrten Unwettern und drastisch verkürzten Vegetationsperioden allzu sehr in die Defensive gedrängt zu werden. Welche Rolle kommt in diesem Kontext veränderten Anbaumethoden, neuen Rebsorten und einem zeitgemäßen Weingutsmanagement zu?

Über diese und viele weitere Themen spreche ich mit dem sympathischen Martin Fischer, bevor wir gemeinsam ein paar spannende Weine aus seinem Portfolio verkosten. Viel Spaß beim Hören und gute Unterhaltung.

Lieber Martin, vom Taunus ins Ländle rufe ich Dir zu: Vielen Dank für Deine Gastfreundschaft, das schöne Gespräch und das spannende Tasting. Vielen Dank für Deine Unterstützung dieser Podcast-Episode. Auf hoffentlich ganz bald!

2018 nov 05 genuss im bus SWF 3782

Nächste Podcast-Episode mit Stefan Attmann und Andreas Hüthwohl

Zu Gast in der nächsten Episode von "Genuss im Bus" sind zwei Protagonisten eines der aktuell spannendsten Betriebe der Pfalz. Die Rede ist von Stefan Attmann und Andreas Hüthwohl vom Traditionsweingut von Winning in Deidesheim. Ich denke, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich schon heute vorweggreife und sage: Das wird ein echter Knüller! Eins der aufregendsten Interviews meiner Karriere als Podcaster.

Also, schalte wieder ein, wenn mit Stefan Attmann und Andreas Hüthwohl am 27. August eine weitere Episode von Genuss im Bus an den Start geht.

Bis dahin lass' es Dir schmecken!

Wolfgang

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