Naturwein - ein Liebesprojekt von Bianca & Daniel Schmitt

Naturwein - ein Liebesprojekt von Bianca & Daniel Schmitt



Naturwein - ein Liebesprojekt von Bianca & Daniel Schmitt

Naturweine sind aller Munde. Über kaum ein Thema wird derzeit unter Weinfreunden in aller Welt leidenschaftlicher und kontroverser diskutiert als über das Phänomen „Naturwein“. Natural wine, Vin naturel, Vins vivants und Vini veri – das alles sind Synonyme für jene sozio-kulturelle Erscheinung, die in immer mehr Weltgegenden vor allem junge Leute anspricht und zum Wein bringt. In vielen Metropolen der Welt schießen Natural-Wine-Bars aus dem Boden und bieten die Möglichkeit, Wein einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.

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Was ist eigentlich "Naturwein"?

Was aber ist eigentlich ein „Naturwein“, und was ist ein „unnatürlicher Wein“? Diese Frage habe ich einem jungen Winzerpaar in Flörsheim-Dalsheim gestellt, die sich das Projekt „Naturwein“ auf die Fahne geschrieben haben. Die Antwort, die ich bekommen habe, war denkbar einfach:

„Ein natürlicher Wein ist ein Wein, der keine Zutaten enthält. Um einen Naturwein auf die Flasche zu bringen, muss man zuerst mit biologischem Weinbau irgendeiner Art beginnen. Wenn die Trauben geerntet sind, wird im Umwandlungsprozess von Traubensaft in Wein nichts Fremdes hinzugefügt und nichts entfernt. Das ist natürlicher Wein oder Naturwein.“

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Sind nicht alle Weine "Naturweine"?

Noch immer sind hierzulande viele schockiert, wenn sie erfahren, dass nicht jeder Wein auf diese Art natürlich ist und aus einer einfachen Zutat, den Trauben nämlich, hergestellt wird. Sie sind schockiert, wenn sie erfahren, dass es mehr als siebzig offiziell zugelassene, völlig legale Präparate gibt, die einem Wein zugesetzt werden dürfen - einfachen Discount- und Supermarktweinen ebenso wie hochpreisigen Kultweinen.

Wer zum ersten mal einen Naturwein im Glas hat, wird überrascht sein. Natürliche Weine sind nämlich in vielerlei Hinsicht so ganz anders. Weder ihre optische Erscheinung noch Duft und Geschmack passen ins gängige Bild dessen, war sich in unserem Kulturkreis als Referenz für Wein etabliert hat. Noch repräsentieren sie nicht mehr als einen mikroskopisch kleinen Fleck in der globalen Weinszene, aber ihre Popularität wächst. Ihr Einfluss ist größer als ihr mengenmäßiger Umfang.

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Die ungeschliffene Schönheit natürlicher Weine

Und ich gestehe:

Ich glaube an das Versprechen und die Schönheit von natürlichen Weinen, auch wenn ich zugeben muss, dass viele Beispiele nicht besonders gut sind, mich nicht fesseln, begeistern und überzeugen, aber das ist ja in so ziemlich allen Weinkategorien der Fall. Die Wahrheit ist, dass natürliche Weine den Wein insgesamt herausgefordert und vielleicht auch schon ein bisschen besser gemacht haben.

Auch Bianca und Daniel Schmitt erzeugen natürliche Weine. Sie sind stark vom Jahrgang geprägt und deshalb geschmacklich immer ein bisschen vorhersehbar und überraschend, aber lebendig und ungemein energetisch. Naturweine, die mir gefallen.

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Naturwein-Inspirationen aus dem Elsass

Ein Aufenthalt bei dem charismatischen elsässischen Winzer Patrick Meyer im Jahr 2012 hat die beiden so nachhaltig beeindruckt, dass sie sich - Hals über Kopf - in die Idee des "Naturweins" verliebt haben. Die Energie, die von Patrick Meyer und seinen Weinen ausging, sollte fortan auch Teil ihrer eigenen Praxis als Winzer in Rheinhessen werden. Die Entscheidung war glasklar für Bianca und Daniel Schmitt: "Das Projekt „Naturwein“ packen wir an!"

2013 entstand bei ihnen einer der ersten Amphoren-Rieslinge Rheinhessens. Seitdem gehen die beiden voller Begeisterung, unbeirrbar und vor allem auf dem internationalen Parkett enorm erfolgreich ihren Weg. Man spürt ihnen ihre Erfüllung förmlich an und zweifelt keine Sekunde, wenn sie von sich sagen: "Wir haben jeden Tag einen schönen Tag!"

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Die wachsende Popularität der Naturweine

Während also dieses junge Rheinhessische Winzerpaar seine Nische gefunden hat und sich pudelwohl damit fühlt, auf ihre persönliche Art "Naturweine" zu erzeugen, gehen die Kontroversen in der Szene weiter. Einerseits werfen diese Weine die Trinkgewohnheiten der allermeisten Zeitgenossen immer noch ordentlich über den Haufen werfen. Sie polarisieren wie kaum eine andere Entwicklung in der Weinbranche der vergangenen Jahrzehnte: Für die einen ist es der große Wurf, andere sind irritiert und wenden sich ab. 

Andererseits ist eine gewisse Popularität unverkennbar. Naturweinbars finden sich heute in fast jeder Großstadt und auch auf den Weinkarten zahlreicher Spitzenrestaurants sind Naturweine nicht mehr wegzudenken. Es ist diese wachsende Popularität, die nun auf Seiten der Protagonisten der "Naturweinbewegung" die Sorge schürt, der ein oder andere könnte mit unehrenhaften Absichten auf den erfolgreich fahrenden Zug der Naturweine aufspringen und das Image der Bewegung diskreditieren oder zumindest verwässern.

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Was bringt eine offizielle Definition von Naturweinen?

Manche sehen deshalb nur in einer klaren Definition dessen, was ein Naturwein ist und sein soll, eine erfolgversprechende Option, die lauernden Gefahren abzuwehren. Frankreich ist diesen Schrit bereits gegangen. In der Vergangenheit war es immer der Wein-Mainstream, der eine Definition für natürlichen Wein verlangte, eine Aufforderung, die die meisten Naturwein-Produzenten unbekümmert ignorierten. Definitionen hatten in der Szene den Beigeschmack von Autorität und Bürokratie und wurden deshalb von den meisten als hinderlich abgelehnt.

Ob eine - mehr oder weniger strikte - Definition von "Naturwein" die Einfallstoren für Trittbrettfahrer eher schließt oder im Gegenteil vielleicht erst öffnet, bleibt abzuwarten. Gibt es keine Definition, kann jeder die Bezeichnung nach eigenem Gutdünken verwenden. Aber auf der anderen Seite schließt eine Definition meines Erachtens nicht aus, dass große Unternehmen ihre Chancen auf dem Segment der Naturweine ausloten und Wege ausfindig machen, Weine herzustellen, die den Buchstaben des Gesetzes entsprechen, auch wenn sie nicht den Geist eines Naturweins im Herzen tragen.

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Die "Vin Méthode Nature-Charta" in Frankreich

Die Franzosen haben gerade eine Naturwein-Charta verabschiedet. Die "Vin Méthode Nature-Charta" verpflichtet ihre Mitglieder, nur Trauben zu verwenden, die biologisch zertifiziert und von Hand geerntet wurden. Sie müssen spontan mit Hefen vergoren werden, die natürlich - also in Weinbergen und Weinkellern - vorkommen und ohne die in der Charta als "brutal" bezeichneten Technologien wie Umkehrosmose, Thermovinifikation oder Cross-Flow-Filtration (CFF) hergestellt werden.

Nur geringe Mengen an Schwefeldioxid, einem Antioxidations- und Konservierungsmittel, dürfen verwendet werden. Dabei sollen zwei verschiedene Etiketten zwischen Weinen unterscheiden, die im einen Fall mit geringen Mengen, im anderen ganz ohne zugesetzte Sulfite hergestellt werden.

Führt aber nicht eine Strategie, die den Naturweinproduzenten die Beweislast aufbürdet, in die falsche Richtung? Wäre es nicht weitaus effektiver, wenn alle Weinproduzenten, ob natürlich oder konventionell, die Zutaten und Verfahren ihrer Weinbereitung auf den Flaschenetiketten auflisten und die Verbraucher darüber entscheiden lassen würden, was für sie richtig und gut ist? Aber genau davon sind wir im Moment meilenweit entfernt, nicht zuletzt, weil einige der größten und einflussreichsten Akteure der Wein-Branche kein Interesse daran haben.

2020 05 22 12 27 00

"Genuss-im-Bus-Paket" für Podcast-Hörer

Für Euch Podcast-Hörer haben Bianca und Daniel ein Paket mit drei spannenden Weinen zusammengestellt, das ich wieder in den Shownotes zu dieser Episode verlinke.

Was haben die beiden reingepackt?

Es sind drei Weine der Linie "Frei.Körper.Kultur" in weiß, rot und rosé

Beim Weißen handelt es sich um eine spannende Cuvee aus 5 Sorten: Scheurebe, Weißburgunder und Huxelrebe, Grauburgunder und Ortega.

Der Rosé ist eine Cuvee aus Portugieser und Dornfelder, der Rote eine Mariage aus Merlot, St. Laurent, Portugieser, Blaufränkisch und Spätburgunder. Nach der Lagerung auf der Vollhefe wurde der Rote ohne Filtration und ohne Zugabe von Schwefel in Flaschen gegefüllt.

Bestellungen bitte über: info@schmitt-weingut.de

Habt viel Spaß mit diesen originellen Weinen!

2018 nov 05 genuss im bus SWF 3315

Nächste Episode von "Genuss im Bus - der mobile Wein-Podcast"

In 14 Tagen treffe ich mich mit Nicola Libelli, dem Kellermeister des berühmten Wachenheimer Weingutes Dr. Bürklin Wolf. Wir reden u.a. darüber, wie es dazu kam, dass ein Italiener in einem Pfälzer Rieslingbetrieb als Kellermeister Fuß fassen konnte.

Schaltet also wieder ein, wenn die nächste Episode von Genuss im Bus am 5. Juni an den Start geht.

Für alle, die mehr über meine Online-Angebote erfahren möchten, hier noch einmal der Link zu meiner Plattform: www.wolfgangstaudt.com

Lasst es Euch schmecken!

Wolfgang



1 Kommentar

  • Ich finde die Präsentation beeindruckend und bin gespannt auf die Weine!

Was denkst du?