Weinkenner werden – Wege zum souveränen Umgang mit Unsicherheit

Weinkenner werden – Wege zum souveränen Umgang mit Unsicherheit

Wer sich aufmacht, Weinkenner zu werden, wird Abenteuer erleben. Das ist nichts für Feiglinge und Kleingeister. Die Welt des Weines ist herausfordernd und anspruchsvoll und so sind die Wege zum Weinkenner.

Für Außenstehende mag die Weinwelt prätentiös und ein wenig überheblich wirken. Na klar, Wein gilt als edel und schick, subtil und delikat.


Die Versprechen der Weinwelt

Kennern sagt man nach, sie hätten Geschmack und einen Sinn fürs Feine, Elegante und Stilvolle.

Mag sein, aber es sind auch Abenteurer, Menschen, die bereit sind, sich auf das Ungewisse, Flüchtige und Geheimnissvolle einzulassen, weil sie in dieser Welt so viel sinnlicher Reichtum, Naturerleben und Genuss erwartet.


Die Abenteuer der Weinwerdung

Das Abenteuer beginnt mit dem Reifungsprozess der Trauben. Wenn alles gut geht und Frost, Hagel und Rebkrankheiten gnädig vorübergegangen sind, herrscht Aufatmen und Erleichterung in jeder Winzerfamilie. Das Abenteuer der Vinifizierung kann beginnen. Zwar steht modernste Kellertechnik bereit, um die Unberechenbarkeit der natürlichen Prozesse zu beherrschen, doch bis der fertige Wein in die Flasche darf, kann noch viel passieren.

Für dich als Weintrinker und Weintrinkerin beginnt das Abenteuer mit der Beschaffung. Du hast die Qual der Wahl. Wenn du die Regale der Supermärkte rauf und runter läufst, kommt nicht selten Verzweiflung auf. Welcher ist der Richtige? Was wiegt schwerer: die ästhetische Ausstattung der Flasche, staatliche Ehrenpreise oder der Preis, den du für die Flasche hinlegen musst? Und was bedeutet das Kleingedruckte auf den schicken Etiketten?


Gaumenkitzel beim Öffnen der Weinflasche

Und wenn du endlich die Flasche öffnest, mischen sich Gefühle der Vorfreude mit bangen Befürchtungen. Immer wieder aufs Neue ist das Ergebnis überraschend, mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt.

Ich hoffe sehr, dass dich das nicht vom Wein abhält. Denke bloß nicht, Wein sei nur was für Kenner, für Menschen mit besonderen sensorischen Fähigkeiten und einem Sinn fürs Feine. Und vergiss fürs Erste die Weinsprache, zumindest wenn du sie als unverständlich oder elitär erlebst.

Um das Wichtigste gleich vorwegzunehmen: Wein ist ein wundervolles Produkt, ein Juwel menschlicher Kulturleistung und vor allem dazu da, Freude und Genuss in die Welt zu bringen. Und das muss nicht kompliziert sein!

Richtig ist aber auch:


Weingenuss ist nichts für Feiglinge!

Wer in Weinbegegnungen das Abenteuerliche, die Überraschungsmomente ausschließen will, wer nach Sicherheit und Berechenbarkeit strebt, wer das will, der wird sich in der Welt des Weines nicht wohlfühlen.

Bist du bereit für das Abenteuer Wein?

Oder wünschst du dir doch ein bisschen Sicherheit?

Wer Unsicherheit minimieren will, verfährt in der Regel nach einer der drei folgenden Strategien:


Mehr Sicherheit mit Wein

Erstens: Einen gewissen, allerdings zweifelhaften Erfolg wirst du verbuchen können, wenn du dich mit einfachen, industriell erzeugten Massenprodukten zufrieden gibst. Auf qualitativ niedrigem Niveau werden in diesem Marktsegment – Abfüllung für Abfüllung – reproduzierbare Geschmacksprofile erzeugt. Wenn dir Sicherheit sehr viel bedeutet, dann erreichst du sie mit dieser Strategie. Aber der Preis ist hoch. Du erkaufst sie dir auf Kosten all dessen, was den wahren Reiz der Weinwelt ausmacht: geschmackliche Vielfalt!

Zweitens: Du trinkst immer dieselben Weine. Wie langweilig! Aber selbst dann musst du damit rechnen, dass der neue Jahrgang anders schmeckt als der alte. Und du musst damit rechnen, dass Flaschen aus ein und demselben Jahrgang mit zunehmender Lagerung Veränderungen zeigen.

Drittens: Du trinkst nur Weine, die von Experten gut und sehr gut bewertet wurden. Bedenke jedoch, dass das, was der Profi mag und hoch bewertet, nicht unbedingt deinen geschmacklichen Vorlieben entsprechen muss. Das Gegenteil ist oft der Fall. Gute Bewertungen erhalten sehr oft anspruchsvolle Weine, die längst nicht jedem gefallen. Und auf Dauer befriedigt Etiketten- oder Punktetrinken sowieso nicht und es hindert dich daran, ein mündiger und selbstbewusster Konsument zu werden.


Mein Weg zum Wein

Ich empfehle dir den Weg, den ich auch gegangen bin (Mehr dazu hier!). Probieren und immer wieder probieren lautet meine Devise. Du sammelst Erfahrungen, lernst die verschiedenen Weine dieser Welt kennen und wirst allmählich zum Kenner. Dann weißt Du die Informationen der Etiketten auf rechte Weise zu interpretieren und hast beim Öffnen der Flasche bereits eine ziemlich genaue Vorstellung, wie der Wein schmecken wird.

Doch selbst als Kenner wirst du immer wieder Überraschungen erleben. Nur wirst du dann nicht mehr daran verzweifeln, denn du weißt ja, dem Wein begegnen heißt Abenteuer erleben.


Auch Weinkenner erleben Überraschungen

Statt zu verzweifeln, suchst du nach Erklärungen.

Woran könnte es liegen, dass dieser Pfälzer Riesling deutlich weniger Säure zeigt als Rebsorte und Jahrgang vermuten lassen? Wieso duftet dieser Sauvignon blanc nach Honigmelone und nicht nach schwarzer Johannisbeere, nach Holunder und frisch geschnittenem Gras?

Allmählich fängst du an, solche Überraschungen zu lieben.

Jetzt magst du Weine, die dich herausfordern, die Seiten zeigen, die du nicht vermutet hättest und dann machst du dir Gedanken über die Ursachen.


Wenn das Abenteuer Wein lockt

Was kannst Du tun, wenn du zum Aufbruch entschlossen bist? Wenn dich das Abenteuer Wein lockt?

Wenn du noch sehr unerfahren bist, dann rate ich dir, zunächst einmal deine geschmacklichen Vorlieben zu erkunden. Öffne zu passenden Gelegenheiten eine Flasche und finde heraus, ob der Wein dir gefällt. Mach dir ein paar Notizen, was dir gefallen und was dir nicht gefallen hat. Vergiss nicht, auch die Infos der Etiketten festzuhalten (Mehr dazu hier!).


Empfehlungen für Wein-Einsteiger

Wichtig in dieser Phase sind drei Dinge:

Erstens: Bleib bei dir und finde deine persönlichen Vorlieben heraus – ganz unabhängig was Freunde, Bekannte oder Experten zum jeweiligen Wein zu sagen haben. Dir muss er gefallen. Weinbegegnungen sind persönliche Begegnungen – genauso wie Begegnungen auf den Feldern von Musik, Malerei und Dichtkunst.

Zweitens: Sei neugierig und probiere immer mal wieder Weine, die du noch nicht kennst. Erweitere allmählich deinen Horizont. Gib auch Weinen eine Chance, die du bei der ersten Begegnung nicht besonders mochtest.

Und drittens: Versetze deine Sinne in höchste Alarmbereitschaft und verkoste so aufmerksam wie möglich. Auf dass dir auch die stilistischen Details nicht entgehen (Mehr dazu hier!).


Erkunde deine Vorlieben für bestimmte Weine

In dieser ersten Phase geht es also vor allem darum, deine Vorlieben für bestimmte Weine bzw. Weinstile kennenzulernen.

Magst du lieber weiß oder lieber rot? Leicht oder schwer? Lieber die Extro- oder die Introvertieren? Die Sumoringer oder die Tänzer?


Lerne die Weinvielfalt kennen

Mit deinen Vorlieben lernst du natürlich auch peu à peu die Weinwelt kennen und wirst mit den verschiedenen Stilen und Geschmacksrichtungen vertraut. Du weißt nun, das ein Chianti anders schmeckt als ein Bordeaux, ein Riesling anders als ein Chardonnay.

So kommst du allmählich in die nächste Phase und beginnst, konkrete Erwartungen an einen Wein zu haben. Ging es dir früher vor allem darum, ob der Wein dir schmeckt, interessiert es dich nun auch, ob er so schmeckt, wie du es von einem Chianti oder einem Bordeaux erwartest.


Lerne typische und authentische Weinstilie kennen

Da du nun bereits mehrmals einen Chianti im Glas gehabt hast, haben sich aufgrund dieser Erfahrungen Vorstellungen entwickelt, wie ein „typischer“ Chianti schmeckt. Werden diese Vorstellungen bei der Begegnung nicht erfüllt, kann sich Enttäuschung breit machen, selbst wenn dir der Wein an sich ganz gut gefällt.

Die Wiederkennung des Typischen, Authentischen bekommt also neben dem reinen Gefallen eine eigenständige Bedeutung (Mehr dazu hier!).


Erkunde die stilistischen des Details

In dieser Phase entwickelts du ein immer größeres Interesse für die stilistischen Details eines Weins. Du erkennst den Einfluss von Säure und Süße und hast Freude daran, die Aromen aufzuspüren und zu beschreiben. Und obwohl du nun mehr über einen Wein sagen kannst, als dass er schmeckt oder nicht schmeckt, bleiben die Begegnungen spannend wie ein Abenteuer.

Um bestimmte Weintypen besser kennenzulernen, habe ich eine Top-Empfehlung für dich: trinke über einen bestimmten Zeitraum mal nur – sagen wir – Sauvignon blanc. Aus Frankreich und Neuseeland, Südafrika und Österreich, aus dem Friaul und dem Kremstal. Wenn du beginnst, von ihnen zu träumen, hast du es geschafft. Niemals mehr wird dir ein Sauvignon blanc begegnen, ohne von dir erkannt zu werden.

Das ist nun der Übergang zur nächsten Phase. Denn jetzt fängst du an, dich für die Ursachen der großen geschmacklichen Vielfalt in der Weinwelt zu interessieren.


Wieso schmeckt ein Chianti anders als ein Bordeaux?

Ein Sauvignon aus Neuseeland anders als einer aus dem Friaul?

In dieser Phase lernst du neben dem Einfluss der Rebsorten vor allem die Einflüsse des Klimas kennen und einschätzen:

Du lernst erstens:: Sauvignon blanc schmeckt immer auf ganz bestimmte Art anders als Riesling oder Chardonnay.

Zweitens: Sauvignon blanc schmeckt in warmen Gebieten kraftvoller, alkoholreicher als in kühlen Anbaugebieten. Und in kühlen Anbaugebieten saftiger, lebendiger und trinkanimierender als in warmen Gebieten.

Später verstehst du, dass auch die Topografie und der Boden einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Weinstil haben.


Weitere Einflussfaktoren auf den Weinstil

Und wenn du dann allmählich denkst, vor Überraschungen beim Öffnen einer Flasche gefeit zu sein, wirst du lernen, dass du noch längst nicht alles weißt.

Neben den Einflüssen von Rebsorte, Klima, Topografie und Böden kommt beim Wein natürlich auch noch der Einfluss der Menschen ins Spiel:

a) der Winzer, der den Weinberg bearbeitet

b) der Kellermeister, der den Weinwerdungsprozess von den Trauben zum abfüllbereiten Wein begleitet

c) der Gesetzgeber, der die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Winzer und Kellermeister festlegt und bestimmt, was erlaubt und was nicht erlaubt ist.

Der Geschmack oder die Stilistik eines Weines ist das Ergebnis unendlich vieler Faktoren: natürliche Faktoren und von Menschenhand beeinflusste Faktoren.


Schöne komplexe Weinwelt

Und deshalb ist es logisch: Wenn so viele Einflussfaktoren im Spiel sind, verbieten sich einfache Gleichungen: Riesling schmeckt so, Chardonnay schmeckt so! So einfach ist die Weinwelt nicht gestrickt!

Das gilt selbst dann, wenn wir uns ein kleines Anbaugebiet mit einer bestimmten Rebsorte genauer anschauen. Nehmen wir den Rheingauer Riesling. Das ist keineswegs ein geschmacklich homogenes Produkt. Lage, Winzer und Kellermeister bringen so viele Variablen ins Spiel, dass es das reinste Abenteuer ist, den unzähligen individuellen Riesling-Stilen im Rheingau auf die Schliche zu kommen.


Wer sich auf den Wein einlässt, wählt das Abenteuer

In der Welt des Weines stehen nicht Sicherheit, sondern Überraschungen auf der Tagesordnung. Was bei vielen anderen Konsumgütern funktioniert, widerstrebt im Innersten der Natur des Weins. Rechne also mit Vielfalt und Unberechenbarkeit. Denn das entspricht dem Wesen des Weins. Weingenuss ist ein Abenteuer, eine faszinierende Begegnung mit einem Naturprodukt, das eine lange Geschichte hat und vor allem dann für Begeisterung sorgt, wenn es von abenteuerlustigen, begeisterten Winzern und Kellermeistern veredelt wurde.


 

Bist du bereit für das Abenteuer Wein?


Lass es dir schmecken!


Wolfgang

 

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